Gibt es Einschränkungen beim Gaming mit 16:10-Bildschirmen? EinführungViele aktuelle Laptops setzen auf Displays im Format 16:10 (z. B. 2560×1600). In den 2010er-Jahren war hingegen fast durchgängig 16:9 (z. B. 1920×1080 oder 2560×1440) üblich.Für Desktop, Office und Web bietet 16:10 spürbar mehr vertikale Fläche, was Scrollen reduziert und Tabellen/Editoren übersichtlicher macht.Im Gaming gibt es jedoch einen zusätzlichen Aspekt: das Sichtfeld. Dies möchten wir in diesem Artikel im Detail erläutern.Seitenverhältnis vs. SichtfeldDas Sichtfeld, engl. Field of view (FOV), beschreibt den sichtbaren Bildausschnitt im Spiel - vereinfacht gesagt, wie viel von der Spielwelt links, rechts, oben und unten gleichzeitig im Blick ist.Das gewählte Seitenverhältnis spielt dabei eine wichtige Rolle. In vielen älteren Spiele-Engines, welche teilweise auch noch moderne Spiele befeuern, wird ein fixes vertikales FOV verwendet. Die vertikale Sicht bleibt dann unabhängig vom Seitenverhältnis konstant, während sich der horizontale Bildausschnitt mit zunehmender Breite erweitert. In diesem Szenario zeigt 16:9 etwas mehr vom Geschehen an den Bildschirmrändern als 16:10.Andere Engines setzen auf ein fixes horizontales FOV oder auf Mischformen, bei denen der Entwickler gezielt eingreift, um FOV-Vorteile zu vermeiden. Besonders bei kompetitiven Shootern ist es üblich, breitere oder höhere Formate (etwa 21:9 Ultrawide) anzugleichen, indem das Bild beschnitten oder mit Balken oder zusätzlichen HUD-Elementen versehen wird.Kurzum: es gibt nicht das eine, perfekte Seitenverhältnis - aber je nach Titel und Spielniveau kann es sein, dass man hier manuelle Anpassungen vornehmen möchte.BeispieleViele aktuelle Spiele unterstützen 16:10 direkt und sauber - insbesondere Singleplayer-Titel oder weniger kompetitive Games. Kritischer sind klassische eSport-Shooter, die stark auf FOV-Konsistenz achten.Beispiele: Spiele Technische Einordnung zum FOV / Seitenverhältnis CS:GO | Counter-Strike 2 | Rainbow Six Siege Engine mit festem vertikalen FOV; breitere Formate (16:9) zeigen mehr horizontales Sichtfeld. Valorant Für 16:9 konzipiert; 16:10-Auflösungen werden unterstützt; kein FOV-Slider. Overwatch | Overwatch 2 16:9 ist Basis; Ultrawide-Formate (21:9) werden teilweise auf 16:9 „zurückgeschnitten“, um FOV-Vorteile zu vermeiden. FOV ist teilweise einstellbar, aber maximaler FOV hängt vom Seitenverhältnis ab; Genre profitiert von hohem FOV. Apex Legends | CoD: Warzone | Battlefield 6, Fortnite | Delta Force | RUST | Escape from Tarkov | uvm. FOV frei einstellbar. Korrekte Skalierung mit allen drei Grafikkarten-HerstellernWir haben mit aktuellen Laptop-Modellen und Treibern getestet, wie sich Intel-, NVIDIA- und AMD-Grafik mit nicht-nativen Auflösungen auf 16:10-Displays verhalten.Übersichtstabelle: Display-Anbindung Skalierung mit korrektem Seitenverhältnis Einschränkungen NVIDIA Ja, per default eingestellt. Lässt sich optional auch abstellen. Keine Einschränkungen. Intel Ja, per default eingestellt. Lässt sich optional auch abstellen. Keine Einschränkungen. AMD Ja, per default eingestellt. Lässt sich nicht abstellen. Eingeschränkte Auswahl, siehe Anmerkung unten. Wie man sieht, sind alle drei Grafik-Hersteller in der Lage, Auflösungen in anderen Seitenverhältnissen korrekt darzustellen. Beispiel: 16:9-Auflösungen werden auf 16:10-Displays im Auslieferungszustand nicht hochgezogen, sondern mit schwarzen Balken dargestellt. Das frühere Problem, dass alles „in die Höhe gezogen“ wurde (aspect ratio fail), gehört der Vergangenheit an - es sei denn, man stellt dies bewusst so ein. Die Skalierungseinstellung gilt immer global: alle Displays, die an derselben GPU hängen (internes Panel, externe Monitore), nutzen denselben Skalierungsmodus. Im jeweiligen Spiel zählt nur die Auflösung; ob diese dann mit Balken oder gestretched dargestellt wird, entscheidet die Treibereinstellung. Besonderheit bei AMD:Eine kleine Einschränkung haben wir bei AMD beobachtet: Die korrekte Skalierung mit beibehaltenem Seitenverhältnis ist zwar standardmäßig aktiv, einzelne Zwischenauflösungen könnten jedoch fehlen. Auf einem 2560×1600-Panel stand 2560×1440 (16:9 mit 1:1-Pixelmapping) nicht zur Auswahl, 1.920 × 1.080 hingegen schon. Nach Wechsel auf NVIDIA (MUX-Schalter) war dann 2560x1440 mit NVIDIA auswählbar. Die Einschränkung lag also am AMD-Treiber. In der Praxis spielt das für unsere Geräte aber kaum eine Rolle, weil wir aktuell keine Modelle mit AMD-dedizierter GPU anbieten und kompetitive Shooter ohnehin über die NVIDIA-GPU laufen sollten - entweder direkt über den MUX-Switch auf dem internen Panel oder über einen externen Monitor an einem NVIDIA-angebundenen Ausgang. Für diese Konstellationen ist das Verhalten des AMD-Treibers dann irrelevant, weil die AMD-Grafikeinheit dann nicht mehr für die Bildausgabe zuständig ist.Wo finde ich diese Einstellungen?Die folgenden Screenshots zeigen die Skalierungseinstellungen in einem Betriebszustand, in welchem der Laptop-Bildschirm oder ein externer Monitor an die NVIDIA-Grafikkarte angeschlossen ist. Der angeschlossene Bildschirm hat ein 16:10-Seitenverhältnis.NVIDIA-Systemsteuerung:NVIDIA-App:Anmerkungen:Wie man oben sieht kann die bevorzugte Skalierung sowohl im NVIDIA Control Panel als auch in der modernen NVIDIA-App vorgenommen werden. Der empfohlene Modus "Aspect Ratio" bzw. "Seitenverhältnis" (im Sinne von: korrektes Seitenverhältnis) ist standardmäßig voreingestellt. Würde man hingegen "Full-screen" bzw. "Ganzer Bildschirm" auswählen, dann würde eine im Spiel eingestellte 16:9-Auflösung auf 16:10 "hochgezogen" (verzerrt, gestretched) werden - davon würden wir abraten.Ähnliche Einstellungen bietet Intel im Intel Grafik-Kontrollzentrum (siehe Screenshot).EmpfehlungFür den Alltagseinsatz empfehlen wir, die Vorteile des 16:10-Formats voll auszunutzen. Im Desktop-Betrieb, bei Office-Anwendungen und in den meisten Singleplayer-Spielen ist die zusätzliche vertikale Fläche gern gesehen.Sobald es um kompetitives Gaming geht, empfehlen wir zunächst einmal, das interne Display über den MUX-Switch direkt an die NVIDIA-GPU zu binden oder einen externen Monitor an einen Port zu hängen, der physisch mit der NVIDIA-GPU verbunden ist. Dies sorgt für eine höhere Performance und niedrigere Latenz. Siehe auch:In welchen XMG-Laptops kann man NVIDIA Optimus deaktivieren?NVIDIA hat von allen drei Grafik-Anbietern hier auch die umfangreichsten Einstellmöglichkeiten bzgl. Skalierung, so dass man problemlos eine 16:9-Auflösung auf einem 16:10-Bildschirm einstellen kann, ohne dass das Bild dadurch verzerrt oder Pixel unscharf werden. Ein typisches Beispiel ist ein Display mit 2560×1600 Pixeln: stellt man im Spiel 2560×1440 ein, bleibt die Breite identisch, nur oben und unten kommen schmale schwarze Balken hinzu. Spiele, deren FOV-Logik auf 16:9 ausgelegt ist, nutzen diesen Raum dann optimal: Der vertikale Blickwinkel bleibt exakt gleich, aber das Bild gewinnt links und rechts an Breite. Dadurch entspricht das sichtbare Spielfeld genau dem, was ein nativer 16:9-Monitor anzeigen würde - nur eben innerhalb der Balken auf dem 16:10-Panel.Einschätzung und Fazit16:10 ist heute der etablierte Standard bei leistungsstarken Laptop-Displays - und für produktive Nutzung wie auch für den Großteil aller Spiele die sinnvollste Wahl.Gerade im oberen Qualitätssegment, also bei Laptop-Panels mit hoher Farbraumabdeckung, hoher Bildwiederholrate oder modernen Technologien wie OLED und Mini-LED, werden kaum noch neue 16:9-Panels entwickelt. (Im Bereich externer Desktop-Monitore mit Gaming-Anspruch, also mit mindestens 144 Hz Bildwiederholrate, bleibt 16:9 hingegen weiter der dominierende Formfaktor.)Die oft diskutierte 16:9-FOV-Frage betrifft vor allem ältere oder traditionell designte Engines, bei denen das Seitenverhältnis fest an die vertikale Auflösung verknüpft ist.Moderne Shooter bieten in der Regel flexible FOV-Slider, sodass sich das Sichtfeld sehr gut an persönliche Vorlieben anpassen lässt. Hier z. B. ein Beispiel-Video aus Battlefield 6, welches die FOV-Werte 85 und 120 miteinander vergleicht:Zudem möchte nicht jede Spielweise immer den maximal möglichen FOV-Wert: Wer eher auf Distanz kämpft, profitiert häufig von einem etwas kleineren FOV, weil entfernte Gegner dadurch größer dargestellt werden.Wenn jemand dennoch in bestimmten Titeln das klassische 16:9-Layout bevorzugt, ist das problemlos möglich: Einfach im Spiel eine 16:9-Auflösung wählen - der Treiber skaliert das Bild automatisch mit Balken.Allen anderen würden wir mitgeben, dass die Unterschiedung zwischen 16:9 und 16:10 im Gaming- und Anwendungsalltag kaum mehr eine Rolle spielt. Moderne Titel, zeitgemäße Engines und aktuelle Treiber sorgen dafür, dass beide Formate problemlos funktionieren - mit dem Vorteil, dass 16:10 im täglichen Einsatz schlicht mehr Übersicht bietet.