Wann lohnt sich ein Upgrade auf schnelleren Arbeitsspeicher? EinführungBei manchen PC- und Laptop-Modellen bieten wir Arbeitsspeicher-Upgrades mit verschiedenen Geschwindigkeiten an. In diesem Artikel erklären wir die Auswirkung in verschiedenen Szenarien.Was ist RAM-Geschwindigkeit?Die Geschwindigkeit von Arbeitsspeicher (RAM) gibt an, wie schnell der Arbeitsspeicher Daten übertragen kann. Der Austausch von Daten findet zwischen Prozessor (CPU) und RAM statt. Die Geschwindigkeit wird offiziell in Megatransfers pro Sekunde (MT/s) angegeben – mancherorts liest man stattdessen auch MHz (Megahertz), was technisch nicht ganz korrekt ist, aber in der Regel synonym verwendet wird.Beispiele: DDR5-5600 leistet 5600 MT/s (Millionen Datentransfers pro Sekunde). DDR5-6400 leistet entsprechend 6400 MT/s, also ca. 14% mehr Transfers pro Sekunde als DDR5-5600.Von höherer RAM-Geschwindigkeit profitieren iGPU-Grafikeinheiten und jene Szenarien, in denen sehr häufig sehr viele Daten zwischen Prozessor und RAM ausgetauscht werden, und welche dabei gleichzeitig keinen anderen Flaschenhals haben. Konkret welche Szenarien das sind, erläutern wir im weiteren Verlauf dieses Artikels.Der Performance-Gewinn hängt dabei auch von den Latenzen (Zugriffsverzögerungen) ab. Module mit höherem Takt haben oft auch etwas höhere absolute Latenzwerte (z.B. CL46 vs. CL52), sodass sich Effektivgeschwindigkeit und Zugriffszeiten gegenseitig beeinflussen. Der Unterschied fällt somit mitunter geringer aus, als die reinen MT/s-Zahlen vermuten lassen.Preis und EnergieverbrauchHöher getakteter RAM ist in der Regel teurer pro Gigabyte. Ist das Budget begrenzt, könnte man sich z. B. statt schnellerem RAM auch einfach eine größere SSD konfigurieren. Dies gilt es sorgfältig abzuwägen.Außerdem steigt mit dem Takt auch der Stromverbrauch leicht an. In Laptops kann das einen Einfluss auf die Akkulaufzeit haben, wenn auch meist nur im einstelligen Prozentbereich.Der höhere Stromverbrauch unter Last sorgt auch für etwas mehr Abwärme - sowohl im RAM als auch im Speichercontroller der CPU. Diese Abwärme ist prinzipiell erstmal kein Problem: Unsere PCs und Laptops sind stets so entwickelt, ausgestattet und validiert, dass sie auch ihre Maximalkonfiguration ohne Einbußen kühlen können. Dennoch wollen wir den Aspekt der Energieeffizienz in dieser Gegenüberstellung nicht unerwähnt lassen.Office und WebAbseits von Spezialfällen merkt man in Alltagsprogrammen kaum einen Unterschied. So gut wie alle Office-Anwendungen, Web-Browser, oder Multimedia-Anwendungen laufen z. B. mit DDR5-5600 genauso flott wie mit DDR5-6400, solange ausreichen RAM-Kapazität vorhanden ist.Im Zweifel ist RAM-Kapazität, gemessen in Gigabyte (GB), stets wichtiger als RAM-Geschwindigkeit. Dies gilt insbesondere für Multitasking (viele offene Tabs, häufiges Wechseln zwischen Programmen). Eine zu geringe Menge an RAM führt zur temporären Auslagerung auf die SSD - das System reagiert dann nur noch sehr träge.16 GB gelten heutzutage (Stand 2025) eigentlich als das absolute Minimum - im Zweifel ist man mit 32 GB schon deutlich besser bedient. Power User profitieren auch von Kapazitäten jenseits der 32 GB.Unsere Empfehlung: Upgrade der RAM-Geschwindigkeit allein für Web/Office lohnt sich kaum bis gar nicht – die Kapazität ist entscheidend. Interessant wird es erst, wenn die u.a. Szenarien dazu kommen.Gaming ohne dedizierte Grafikkarte (nur iGPU)Wenn ein Laptop keine dedizierte GPU besitzt, dann kann schnellerer RAM die Gaming-Performance der in CPUs integrierten Grafikeinheiten (iGPU/APU) erheblich steigern.iGPUs verfügen über keinen eigenen Speicher, sondern verwenden den normalen Arbeitsspeicher als Grafikspeicher. Die RAM-Bandbreite ist daher gleichzeitig die Bandbreite des Grafikspeichers.iGPUs haben unzählige Rechenkerne bzw. Render-Pipelines, die darauf warten, mit Daten gefüttert zu werden - schneller RAM sorgt dafür, dass diese Kerne weniger Leerlauf haben.In der Praxis skaliert die Leistung integrierter Grafikeinheiten daher nahezu linear mit dem Speichertakt. So kann der Unterschied zwischen DDR5-5600 und DDR5-6400 durchaus 10 bis 15 % höhere durchschnittliche FPS bedeuten, je nach Spiel.Die Betrachtung der iGPU-Performance ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die iGPU selbst überhaupt stark genug für entsprechendes Gaming ist. Vom Desktop abgeleitete CPUs wie der Intel Core Ultra 9 275HX oder AMD Ryzen 9 9955HX haben nur sehr kleine iGPU-Einheiten – die möchte man ohnehin nicht für Gaming nutzen, egal wie schnell der RAM getaktet ist.Interessant wird iGPU-Gaming erst dann, wenn die CPUs recht große iGPU-Einheiten haben. Dazu zählen etwa der AMD Ryzen AI 9 HX 370 mit AMD Radeon 890M und der Intel Core Ultra 7 255H mit der Intel Arc 140T in der XMG EVO-Serie. Im XMG EVO 15 (M25) mit Intel bieten wir dank Intels Plattform-Unterstützung für CSO-DIMM auch tatsächlich solche RAM-Upgrades an.Unsere Empfehlung: das Upgrade (sofern es im Konfigurator angeboten wird) lohnt sich dann, wenn das System prinzipiell für iGPU-Gaming geeignet ist und dafür verwendet werden soll.Gaming mit dedizierter Grafikkarte (dGPU)In Systemen mit dedizierter Grafikkarte (z.B. NVIDIA GeForce RTX-Serie) verfügt die dGPU über ihren eigenen Videospeicher (GDDR6, GDDR6X, GDDR7, etc.). Für die Grafikkarte entfällt somit die Abhängigkeit von der RAM-Geschwindigkeit.Aber: Auch hier kann schnellerer RAM unter bestimmten Umständen Vorteile bringen - vor allem in Spielen und Szenarien, die stark CPU-limitiert sind. Dazu zählen: Gaming in niedrigen Auflösungen. Das Anstreben von sehr hohen FPS in eSports-Titeln. Strategiespiele, Simulationen und Open-World-Spiele mit vielen gleichzeitig berechneten Objekten und NPCs. Schnellerer RAM hilft außerdem oftmals bei den "1 % Low"-Frameraten – also den niedrigsten 1% der gemessenen FPS, die für gefühlte Stutters/Lags verantwortlich sind.(Dasselbe gilt übrigens auch für CPUs mit besonders großem Cache, wie etwa der AMD Ryzen 9 9955HX3D mit 3D V-Cache. Dieser unterstützt zwar nur DDR5-5600, aber der besonders große Cache reduziert die Abhängigkeit vom Speicher-Takt deutlich.)Wenn ein Spiel hingegen GPU-limitiert ist, dann spielt der RAM-Takt nahezu keine Rolle mehr. Dazu zählen: Gaming in sehr hohen Auflösungen (etwa 4K oder Ultrawide). Gaming mit maximalen Grafikdetails, inkl. Ray Tracing - eher typisch für Single-Player-Titel. Verwendung von VR-Headsets, welche ebenfalls sehr hohe Auflösungen aufweisen. Allerdings: Die Auslastung der Speicherbandbreite ist im Gaming schlecht planbar und hängt von sehr vielen Faktoren ab. CPU-Bottlenecks (etwa kurzfristige Lastspitzen, die zu schlechteren 1-%-Low-FPS führen) können punktuell auch in unerwarteten Spielsituationen oder in nicht perfekt optimierten Titeln auftreten.Unsere Empfehlung: Um deinen Gaming-PC oder -Laptop für alle möglichen Szenarien zu wappnen, empfehlen wir das Upgrade auf eine höhere Speicher-Geschwindigkeit, sofern diese im Konfigurator angeboten wird.ProduktivitätsanwendungenProfessionelle bzw. Produktivitäts-Workloads sind z.B. 3D-Rendering, Video-Encoding, Software-Development, wissenschaftlichen Berechnungen, KI, und so weiter. So gut wie alle Produktivitätsanwendungen haben gemein: man möchte möglichst viel RAM haben. Die Relevanz einer höheren RAM-Geschwindigkeit ist hingegen nur auf bestimmte Anwendungen begrenzt. Wir erläutern dies hier an einigen Beispielen.3D-Rendering via SoftwareIn tile-basiertem Rendering (Blender, Cinebench usw.) wird eine Szene in Kacheln aufgeteilt, welche dann jeweils von einem der vielen CPU-Kerne berechnet werden. Die Datenmengen pro Kern passen in der Regel in den Cache des Prozessors. Die Berechnung selbst ist dann ausschließlich von der Leistung der CPU-Kerne begrenzt. Ergebnis: die Renderzeit profitiert praktisch überhaupt nicht von schnellerem Arbeitsspeicher.Content-CreationContent-Creation auf Profi-Niveau kann von schnellerem RAM profitieren. PugetSystems fand in Adobe Premiere Pro auf Intel-Systemen in bestimmten Export- und Playback-Tests einen deutlichen Unterschied zwischen sehr langsamem und sehr schnellem RAM. Allerdings war dieser Effekt auf AMD-Systemen kaum vorhanden. Weniger ausgeprägte Unterschiede wurden in After Effects, Photoshop und Lightroom festgestellt (Quelle).Software-Entwicklung und CompilingBei sehr großen Projekten (z.B. Android AOSP Build, Unreal Engine Compile), in denen extrem viele Dateien parallel verarbeitet und viele Zwischendaten im Speicher gehalten werden, kann der Durchsatz des Speichers Einfluss haben. Dennoch: auch hier sind viele andere Faktoren im Spiel (Storage-Speed, CPU-Kerne, Parallelisierbarkeit, RAM-Kapazität), sodass die RAM-Geschwindigkeit nicht allein entscheidend ist.Wissenschaftliche Berechnungen / Simulation / CADEinige Spezialanwendungen können von schnellerem Speicher profitieren, wenn sehr große Datensätze verarbeitet werden, die nicht komplett in den CPU-Cache passen. Dazu gehören u.a. folgende Anwendungen und Szenarien: Finite-Elemente-Simulationen Datenbank-In-Memory-Analysen SPICE-Simulationen MATLAB-Matrizenberechnungen CAD-Workstation-Software im Profi-Bereich Diese Szenarien profitieren von schnellerem Speicher, da hier kontinuierlich sehr große Datenmengen mit hoher Bandbreite zwischen CPU und Arbeitsspeicher ausgetauscht werden.KI-AnwendungenModerne Laptop-CPUs enthalten dedizierte KI-Beschleuniger, auch bekannt als Neural Processing Units (NPU). Dazu gehören Intel AI Boost und die AMD Ryzen AI Engine. Diese NPUs greifen wie iGPUs ebenfalls auf den Hauptspeicher zu. Man könnte vermuten, dass schneller RAM hier wichtig ist. In der Praxis limitiert aber eher die geringe Leistungsfähigkeit dieser relativ kleinen KI-Beschleuniger und die noch dürftige Software-Unterstützung.Für ernsthafte KI-Workloads (Nutzung von großen LLMs, Bild-/Videogenerierung, etc.) wird man ohnehin auf eine leistungsstarke dedizierte GPU (oder Cloud-Server) zurückgreifen - dort spielt die System-RAM-Geschwindigkeit gar keine Rolle, da die GPU ihre eigenen hochbandbreitigen Speicher hat.Kurze KI-Aufgaben, die rein über die CPU/NPUs laufen, profitieren möglicherweise leicht von schnellerem RAM, aber der Effekt ist gering und aktuell nicht das schlagende Argument für einen RAM-Geschwindigkeits-Upgrade.Synthetische BenchmarksDer Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass spezielle Memory-Benchmarks oder stark speicherlastige Mikro-Benchmarks (etwa im HPC-Bereich) größere Unterschiede zeigen. Beispielsweise skaliert der 7-Zip Kompressions-Benchmark teils mit Speicherperformance, oder ein Tool wie AIDA64 Memory Benchmark wird dramatische MB/s-Differenzen auswerfen. Diese Zahlen klingen beeindruckend, spiegeln aber oft keine realen Workloads wider. In “echten” Anwendungen sehen wir wie oben beschrieben meist eine weit geringere prozentuale Auswirkung, oder gar keine.FazitWichtig ist bei Produktivitätsanwendungen vor allem, ausreichend viel Arbeitsspeicher zu haben. Läuft man beim Arbeitsspeicher in das Kapazitäts-Limit, bleibt alles stehen. Höhere RAM-Geschwindigkeit kann dagegen selbst im Idealfall nur relativ wenige Prozentpunkte an Performance herauskitzeln.Unsere Empfehlung: die RAM-Kapazität ist wichtiger als die Geschwindigkeit des RAMs. Falls deine Workloads aber in der o.g. Tabelle mindestens eine „mittlere“ Auswirkung haben, kann sich ein Upgrade der RAM-Geschwindigkeit durchaus lohnen - solange dies nicht zulasten von CPU-, GPU- oder SSD-Upgrades geht.ÜbersichstabelleDie folgende Tabelle listet abschließend noch einmal auf, wie groß die Auswirkung von Upgrades auf schnelleren Arbeitsspeicher in den jeweiligen Anwendungsfällen sein können. Anwendung / Szenario Auswirkung Gaming mit dedizierter Grafikkarte (z. B. GeForce RTX) groß(situationsabhängig) Gaming (nur iGPU) groß(durchgängig) Adobe Premiere Pro (Intel-Systeme, Export/Playback) mittel CAD-Workstation (z. B. SolidWorks, große Baugruppen) mittel Finite-Elemente-Simulationen (FEM) mittel In-Memory-Datenbanken / Analytik (RAM-resident) mittel MATLAB – große Matrixoperationen mittel Software-Entwicklung – sehr große Builds (AOSP, Unreal Shader etc.) mittel SPICE-Simulationen mittel Wissenschaftliche Berechnungen – große Matrizen/Datensätze mittel Adobe After Effects gering Adobe Lightroom Classic gering Adobe Photoshop gering Adobe Premiere Pro (AMD-Systeme) gering CPU-basiertes Video-Encoding / Transcoding gering Foto- und Videobearbeitung allgemein (Standard-Workflows) gering KI auf NPUs / CPUs (lokale Inferenz, kleine Modelle) gering Kompression (ZIP, 7-Zip) gering Musikproduktion (große Sample-Libraries) gering 3D-Rendering (CPU, z. B. Blender, Cinebench) keine Backup / Sync / Dateioperationen (ohne Kompression) keine Browser mit vielen Tabs keine GPU-beschleunigtes Video-Encoding (z. B. NVEnc) keine KI auf GPUs (Training oder große Modelle) keine Musikproduktion (DAWs, Standardprojekte) keine Office + leichte Hintergrundprozesse keine Software-Entwicklung – kleine/mittlere Builds keine Streaming / Medienwiedergabe (z. B. Netflix, YouTube) keine Videokonferenzen (z. B. Zoom, Teams, Meet) keine Web / Office / Alltagsnutzung / Multitasking keine Synthetische Memory-Benchmarks (z. B. AIDA64) groß(aber irrelevant) Unsere Empfehlung: bei Auswirkungen von "mittel" bis "groß" empfehlen wir eindeutig das Upgrade auf den schnelleren Arbeitsspeicher, sofern solcher im Konfigurator angeboten wird.Hinweis zu Dual ChannelNoch wichtiger als der Speichertakt ist der Dual-Channel-Betrieb - also die gleichzeitige Verwendung von zwei identischen RAM-Modulen. Generell bieten wir in unseren PCs und Laptops ausschließlich Dual-Channel-Konfigurationen an.Ausnahme: wer im Konfigurator auf 1×8 GB abrüstet, erhält zunächst eine Single-Channel-Konfiguration. Dieses Angebot wird von Kunden genutzt, welche später selbst ihren eigenen RAM einbauen möchten. Wer diesen Weg gehen möchte, sollte unbedingt darauf achten, anschließend auf eine Dual-Channel-Konfiguration aufzurüsten.KontaktWir hoffen, diese Erläuterungen helfen bei der Entscheidungsfindung. Falls du Fragen zur optimalen Konfiguration hast, steht dir unser Team gerne beratend zur Seite.Weitere LinksExterne Artikel und vergleichende Tests: Impact of DDR5 Speed on Content Creation Performance (2023 update) [Puget Systems] DDR5 vs. DDR4 Gaming Performance [Tech Spot] Does RAM Speed REALLY Matter?? (DDR5 Edition) [Linus Tech Tips] Does RAM MHz Matter? Guide for Gamers & Professionals [TLM International] Verwandte FAQ-Artikel: Warum ist es wichtig, Dual-Channel-Arbeitsspeicher bei der Zusammenstellung eines PCs oder Laptops zu wählen? Wie kann ich einstellen, ob ein Programm oder Spiel auf der iGPU bzw. dGPU ausgeführt werden soll? Lohnt es sich, eine schnellere SSD mit PCIe 4.0 (oder gar PCIe 5.0) anstelle von PCIe 3.0 zu wählen? Welche Hardware brauche ich, um für KI-Anwendungen gerüstet zu sein? Welche XMG- oder SCHENKER-Laptops werden für meinen Einsatzzweck empfohlen?