Kurze Akkulaufzeit bei Gaming-Laptops (2025)

Alternativer Titel: Relativ hohe Lüfterlautstärke bei vermeintlich geringer Last

Einführung

Viele Nutzer von Gaming-Laptops wundern sich über geringe Akkulaufzeit oder hohe Lüfterlautstärke, selbst bei vermeintlich geringer Last. Dabei wird doch in Reviews eine recht lange Akkulaufzeit angepriesen. In den allermeisten Fällen steckt dahinter ein klar erkennbares Muster:

  • Entweder ist die NVIDIA-Grafikkarte (dGPU) noch aktiv, obwohl sie eigentlich im Leerlauf schlafen sollte.
  • Oder ein Programm hält die CPU wach und verbraucht unnötig Strom.

Wir erläutern, wie man diese zwei Punkte prüfen und beseitigen kann.

Schritt 1: Mit HWiNFO64 prüfen, was gerade Strom zieht

Anleitung:

  • Lade dir das kostenlose Tool HWiNFO64 herunter: https://www.hwinfo.com/download/
  • Entferne sämtliche externe Monitore und trenne das Netzteil vom Laptop.
  • Starte HWiNFO64 im Modus "Sensors-only".
  • Suche in der HWiNFO64-Sensor-Ansicht die folgenden Sensoren.
  • Öffne jeden dieser Sensor mit einem Doppelklick, um die Sensor-Werte als Diagramm anzeigen zu lassen.

Wichtige Sensoren:

  • GPU Power (NVIDIA): zeigt an, ob die Grafikkarte schläft (sollte im Idle bei 0 W stehen).
  • CPU Package Power: zeigt den Verbrauch der CPU (im Idle meist unter 5 W).
  • Charge Rate: zeigt, wie schnell der Akku entladen wird (bei normalem Idle ca. −10 bis −15 W).

Beispiel-Screenshot:

hwinfo64-sensor-diagram.png

Beobachtungen:

  • Wenn die GPU Power dauerhaft über 0 W (null Watt) liegt, ist die Grafikkarte aktiv. Das ist dann bereits die Hauptursache für die schlechte Akkulaufzeit.
  • Wenn die CPU Power ungewöhnlich hoch ist, obwohl die GPU Power bei 0 W liegt, hält eine Software sie beschäftigt. Das wäre ebenfalls schlecht für die Akkulaufzeit.

Schritt 2: Häufige Auslöser für eine wache GPU

Die üblichen Verdächtigen:

  • Game-Launcher (z. B. Epic Games Launcher; jedoch nicht Steam) oder sonstige Tools im Autostart können die GPU wachhalten. Das ist besonders problematisch, da diese Programme permanent im Hintergrund laufen.
  • Browser oder browser-basierte Apps wie Spotify, Discord oder Microsoft Teams: nutzen die dGPU dann zur Hardware-Beschleunigung, wenn die dGPU zum Zeitpunkt ihres Programmstartes bereits wach gewesen ist (durch externen Monitor oder eine andere App, wie etwa Game-Launcher).
  • Externe Monitore via HDMI, DisplayPort und USB-C halten die Grafikkarte dauerhaft aktiv, sofern der entsprechende Port mit der dGPU verbunden ist. Das ist normal. Viele Gaming Laptops haben Ports sowohl an der iGPU als auch der dGPU.

Lösungsansätze:

  • Entsprechende Programme aus dem Autostart nehmen. Am besten direkt in den Einstellungen der jeweiligen Anwendung nachschauen – viele Programme (z. B. Discord, Teams, Spotify, Launcher) haben eine eigene Option "Beim Windows-Start ausführen". Diese dort deaktivieren.
  • Apps schließen und neu öffnen. Kann bei browser-basierten Apps funktionieren, welche die dGPU ggf. nur "aus Versehen" zur Hardware-Beschleunigung von Inhalten nutzen.
  • Alternativ: In den Windows-Grafikeinstellungen die App auf Energiesparen setzen. Funktioniert nur bei Anwendungen, die sich selbst komplett auf der dGPU rendern wollen, wie etwa Spiele oder eben diverse Game Launcher.
  • Falls man einen portablen Monitor im Akkubetrieb nutzt, sollte man diesen an einen mit der iGPU verbundenen Anschluss anschließen – siehe Laptop-Datenblatt.

Schritt 3: Wenn die CPU statt der GPU der Übeltäter ist

Untersuchung:

  • Im Task-Manager (Strg+Shift+Esc) siehst du im Tab "Details", ob ein Prozess ständig CPU-Last erzeugt.
  • Klicke auf den Tabellenkopf "CPU" um die Prozesse nach CPU-Last zu sortieren. Der Leerlaufprozess müsste dann ganz oben sein.
  • Schaue dir nun die Prozesse am oberen Ende der Liste an.
  • Einige Prozesse springen kurzzeitig zwischen 0 und 1% hin und her – das ist normal.
  • Aber kein Prozess sollte dauerhaft über 0 Prozent sein (außer der Leerlaufprozess).

Beispiel-Screenshot:

task-manager-details_2025.png

Konsequenzen:

  • Findest du Prozesse, die dauerhaft bei 1% oder darüber liegen, dann untersuche, welche Programme dahinterstehen.
  • Bitte bewerte kritisch jene Prozesse, welcher dir mit dauerhaft "hoher" CPU-Last verdächtig vorkommen: machen diese Programme etwas sinnvolles? Haben sie vielleicht Funktionen, die man lieber deaktivieren möchte? Sollte man sie vielleicht gänzlich aus dem Autostart rausnehmen oder gar deinstallieren?

Exkurs: Warum erzeugen bei der CPU bereits geringe Prozentwerte einen hohen Akkuverbrauch?

Die Prozentwerte im Task-Manager können leicht täuschen: Sie hängen stark von der Anzahl deiner CPU-Kerne ab. Aktuelle Gaming-Laptops haben zwischen 8 und 24 Kernen. Ein einzelner Kern, der dauerhaft ausgelastet ist, erscheint in der Anzeige vielleicht nur mit wenigen Prozentpunkte Gesamtlast. Genau dieser einzelne Kern wird dann vom System aber besonders hoch getaktet und erhält überproportional viel Energie, während die übrigen Kerne schlafen. Das erklärt, warum selbst scheinbar kleine Prozentwerte den Akkuverbrauch und die Lüfterdrehzahl merklich erhöhen können.

Obacht: was du nicht tun solltest

Die NVIDIA-GPU im Geräte-Manager deaktivieren bringt nichts – im Gegenteil. Wenn du die NVIDIA-GPU im Geräte-Manager deaktivierst, bleibt die Hardware intern trotzdem aktiv, kann aber mangels Treiber-Zugriff sich nicht mehr schlafen legen – dadurch steigt der Verbrauch statt zu sinken.

Die Holzhammer-Methode: iGPU-only-Modus

Einige Gaming-Laptops bieten entweder im BIOS-Setup oder im Control Center einen iGPU‑only‑Modus. Dieser sorgt dafür, dass das System ausschließlich die integrierte Grafikeinheit (iGPU) nutzt und die dedizierte NVIDIA‑Grafikkarte komplett per Hardware-Schalter deaktiviert wird.

Dies ist eine äußerst wirksame Methode, "versehentlich" GPU-Nutzung durch Programme komplett zu unterbinden. Allerdings benötigt die Aktivierung bzw. Deaktivierung dieser Funktion einen Neustart – eben weil es sich um eine Hardware-Funktion handelt.

Wenn man die dGPU für längere Zeit einmal nicht braucht, kann man mit dieser Methode den Unsicherheitsfaktor "GPU legt sich nicht schlafen" konsequent eliminieren. Allerdings sollte man dann trotzdem noch prüfen, ob die CPU von Hintergrundsoftware belastet wird (siehe Schritt 3, oben).

Hilft alles nicht?

Es kann auch noch andere, seltenere Ursachen für hohen Systemverbrauch geben, nachdem CPU und GPU bereits ausgeschlossen sind. Für diese Fälle findest du eine ausführlichere Anleitung in diesem, älteren FAQ-Beitrag:

Weitere Stromspartipps

Bitte lies anschließend auch die folgenden FAQ-Beiträge:

Des weiteren spielen natürlich auch die Bildschirmhelligkeit und Bildwiederholrate eine Rolle bei der Akkulaufzeit. Der Einfluss der Bildwiederholrate ist allerdings je nach Modell sehr unterschiedlich und wird durch Techniken wie PSR (Panel Self-Refresh) begrenzt.

Es ist dabei aber wichtig zu verstehen, dass diese Tipps alle nicht viel bringen, wenn nicht zuerst die großen Verbraucher auf CPU- und vor allem GPU-Seite beseitigt sind.